Christian Camenzind will trotz Information
keinen gläsernen Kunden
Die Schweiz war in Punkto Bankkundengeheimnis und Privatsphäre über lange
Zeit das Non Plus Ultra auf dem europäischen Markt. Schon seit dem Jahre 1934 können sich die Kunden sicher sein,
dass ihre Daten obersten Schutz genießen und dass somit absolute Diskretion herrscht. Während sich auch viele
deutsche Bundesbürger an diesem Datenschutz erfreuten, waren von den deutschen Politikern stets kritische Stimmen
zu hören. Grund hierfür war die Angst vor Steuerhinterziehungen. Die Politiker behaupteten, durch das Bankgeheimnis
sei es für deutsche Bundesbürger ein Leichtes, ein gewisses Einkommen direkt auf ein Schweizer Bankkonto zu
transferieren, dieses Einkommen zu unterschlagen und so Steuern zu hinterziehen. Aus diesem Grund machte man immer
mehr Druck auf die Schweizer Banken und verlangte nach einem regen Informationsaustausch. Wenn ein konkreter
Verdacht vorliegt, sollen die Schweizer Banken die Kundendaten der betreffenden Person offen legen und so eine
Prüfung des Einkommens gestatten.
Während die Politiker dies als einen Schritt in die richtige Richtung
bezeichnen, sind von anderen Seiten kritische Stimmen zu hören. So zum Beispiel von Christian Camenzind von der Privatbank Sal. Oppenheim. Schon seit dem
18. Jahrhundert ist diese Bank auf dem Markt und stets war es das firmeninterne Anliegen, den Kunden eine absolute
Diskretion zu garantieren. Dass die Bundesregierung nun nach einem Informationsaustausch verlangt, wird daher sehr
negativ betrachtet. Denn ein gläserner Kunde, so wie es die Bundesregierung verlangt, wolle man nicht haben.
Laut Christian Camenzind Oppenheim ist die
Privatsphäre das oberste Rechtsgut im Bankgeschäft und somit unverzichtbar.
Und nicht nur aus Sicht der Kunden wäre der ständige Informationsaustausch
zwischen Schweizer Banken und der Steuerfahndung mit Nachteilen verknüpft. Auch die gesamte Finanzbranche könnte
darunter zu leiden haben. Manche Experten befürchten, der Banksektor könnte in der Schweiz um die Hälfte
schrumpfen. Schließlich ist es längst kein Geheimnis mehr, dass die Verwaltung von fremden Vermögen eine große
Bedeutung einnimmt. Rund 5,4 Billionen Franken ausländisches Vermögen wird in der Schweiz verwaltet. Das Schweizer
Bruttoinlandprodukt beträgt gerade einmal ein Zehntel dieser Summe. Man muss also wahrlich kein Prophet sein, um
vorauszusagen, dass eine Minderung der Diskretion mit einem herben Verlust verknüpft wäre. Und man darf in dieser
Hinsicht nicht außer Acht lassen, dass der Wohlstand in der Schweiz zum großen Teil der erfolgreichen Finanzbranche
zu verdanken ist. Würde man die Schweizer Banken also um ihre Stärke berauben, so hätte langfristig die gesamte
Bevölkerung darunter zu leiden. Für Christian Camenzind und viele weitere Führungspersönlichkeiten aus der
Finanzbranche ist dies Grund genug, den Informationsaustausch zwischen Banken und Regierungen zu kritisieren und
weiterhin für die Privatsphäre der Kunden zu kämpfen.
Sicherlich wird in den kommenden Monaten noch viel über dieses Thema
diskutiert werden. Schließlich treffen hier zwei Interessen aufeinander. Auf der einen Seite wollen die Banken
ihren Kunden eine Diskretion garantieren, und auf der anderen Seite möchte die deutsche Bundesregierung verstärkt
gegen Steuerhinterziehungen vorgehen können. Aus Sicht der Kunden ist zu hoffen, dass bald eine Lösung gefunden
wird, mit der alle Beteiligten gut leben können.
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